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STATEMENT FÜR DIE AUSSTELLUNG

"KUNST UND POLITIK"

im Karlsruher Kunstverein [1970]

Flyer

NO!art ist Anti-Weltmarkt-Investitionskunst (Kunstweltmarkt-Investition bedeutet kulturelle Manipulation).

NO!art ist gegen "klinischen" wissenschaftlichen Ästhetizismus: Solcher Ästhetizismus ist keine Kunst.

NO!art ist gegen die Anhäufung von Kunst-Weltmarkt-Investment-Mode-Dekorationen ("Minimal", "Color Field", "Conceptual"): Solche Dekorationsspiele sind Schlafmittel für die Kultur. Sie sind gegen die "Fantasie" im Dienste des Kunstmarktes.

NO!art ist gegen alle Kunstweltmarkt "Salonkunst".

NO!art ist Anti-Pop-art: Pop-art ist reaktionär. Sie verherrlicht die Konsumgesellschaft und mokiert sich nur über den Konsum der unteren Klassen: Die Suppendose, das billige Hemd. Pop-art ist chauvinistisch. Sie sabotiert die soziale Kunst für alle.

NO!art ist antichauvinistisch: Die Vorherrschaft jeder nationalen "Schule" basiert hauptsächlich auf dem Ausmaß des verfügbaren Investmentkapitals. Die Vorherrschaft jeder nationalen "Schule" ist gleichzusetzen mit kulturellem Imperialismus.

NO!art ist die Kunstkrise des kulturellen Erstickens.

NO!art ist sozial relevanter persönlicher Ausdruck. Es ist die Soziale Kunst, die Protest-Kunst, die Anti-Kunst (Anti-Kunstmarkt-Kunst).

NO!art schafft auf natürliche Weise neue ästhetische Formen, funktioniert aber auch auf natürliche Weise im Rahmen zeitgenössischer ästhetischer Formen. Ästhetische Innovationen sind nichts als ein Nebenprodukt ungehemmter Expression.

NO!art verabscheut die "klinische", "wissenschaftliche" und pseudo-ästhetische Suche nach "ästhetischer Innovation".

NO!art öffnete und beeinflusste bestimmte Abweichungen vom Kunstweltmarkt, für die sie aber auf Dauer nicht verantwortlich gemacht werden kann, z.B. für die missratene Kunstweltmarkt Popart, für bestimmte gegenwärtige erotische Eskapisten und für Arbeiten, die nur um des Horrors willen entstanden sind.

NO!art beeinflusste die heutige politische Kunst positiv, beeinflusste ebenso die Underground Presse, die Underground Filme, die Comics, die "subversive" Werbung, die Guerilla-Art-Gruppen, die gesellschaftlichen Ereignisse.

NO!art kämpft seit 1959 in dem Löwenmaul, das da heißt: New York City.

NO!art: Rücksichtslos unterdrückt und dezimiert, aber nicht eliminiert oder ausgelöscht durch die Kunstweltmarkt-Unterdrückung.

NO!art: Von Pin-ups zu Exkrementen: eine soziale Kunst-Rebellion. (Ein Überblick. Das Buch dazu ist in Vorbereitung)

NO!art ist "programmatisch" dadurch, dass thematische Shows und Manifestationen innerhalb der Gruppenanstrengungen gemeinsam entstehen. Jede Show und jede Manifestation deutet demgemäss auf die nächste Aktivität hin.

NO!art versucht, das Leben durch die Kunst zu beeinflussen, und fordert demnach die schnelle künstlerische strategische Antwort.

NO!art, aus dem Bauch heraus entstanden, ist keine künstlerische Besitzergreifung.

NO!art: Die Zeit für YES!art liegt noch in weiter Ferne.

Publiziert in: Lurie, Boris; Krim, Seymour: NO!art, Köln 1988

©  http://borislurie.no-art.info/geschriebigtes/1970_kunst-politik.html