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 RETROSPECTIVE BORIS LURIE

WITH CONNECTIONS TO WOLF VOSTELL AND FLUXUS

Curated by Rafael Vostell

 MUSEO VOSTELL MALPARTIDA | C.I.F: V-06259196 | May 18 - July 15, 2014
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INFORMATION BY THE CURATOR RAFAEL VOSTELL: Boris Lurie (born July 18, 1924 in Leningrad, Soviet Union, † January 7, 2008 in New York City, United States) was an important American artist and author. Lurie survived several concentration camps, emigrated after the end of World War II in the U.S., where he co-founded in 1959, the New York NO! Art* movement, an artists' formation that emerged in the late 50s as an alternative to Abstract Expressionism and the emerging Pop Art . Lurie and the NO! Art movement was closely associated with Wolf Vostell. The exhibition displays a retrospective scale showing the most important art works of Boris Lurie and focuses on the connections to Wolf Vostell and Fluxus. The exhibition was made possible through the cooperation of the Boris Lurie Art Foundation.

*They never recognize the correct writing "NO!art" because they never look in our  archives what it is. The time for Yes-art is not at all at hand.

PREFACE by Gertrude Stein, Chairman Boris Lurie Art Foundation: It is with great pride that Boris Lurie is being exhibited in Spain, in the Museo Vostell Malpartida, a museum that Boris deeply admired, as he deeply admired Wolf Vostell, his long time friend. Boris had only the greatest respect for Wolf ’s works and ideas, from their first meeting in New York in the early sixties, when they began to exhibit together in some of the most important avant-garde shows of the art world of its day. They remained united in spirit, and in their remarkable art, until Wolf ’s passing in 1998. This show honors their bond. I wish to thank Mercedes Guardado Vostell, the Consorcio Museo Vostell Malpartida, and everyone who has made this historic exhibit possible.

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SOME EXHIBITION INSIDE VIEWS

Boris Lurie at Museum Vostell, view 1
Boris Lurie at Museum Vostell, view 2
Boris Lurie at Museum Vostell, view 3
Boris Lurie at Museum Vostell, view 4
Boris Lurie at Museum Vostell, view 6
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REVIEW in GERMAN

PIN-UP-GIRLS IM LAGER

Erstmals seit seinem Tod 2008 werden Werke von Boris Lurie in Europa gezeigt
Von Rudij Bergmann
Publiziert in: Jüdische Allgemeine, Berlin, am 19. Juni 2014
Quelle: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/19422

Irgendwann 1945, vielleicht auch ein Jahr später, erreichte Boris Lurie seine von den Nazis erzwungene Wahlheimat New York. Als ich ihn 30 Jahre später im Zwielicht seines Hausflurs in der 66. Straße in Manhattan erstmals traf, um einen Film über ihn zu drehen, begriff ich schnell seine Sehnsucht zurück nach Europa. Dort hatte ich, in Berlin genau, seine verstörenden Bildwerke gesehen: KZ-Häftlinge, auf ihre Befreiung wartend. Gespenstergestalten zwischen Lebenshoffnung und Gebrochenheit.
Umrahmt von Pin-up-Girls in eindeutigen Posen. Die Schönen und die Nackten, die Vergasten und die Entkommenen hat Lurie, der Überlebende eines Außenlagers des KZ Buchenwald, zu seinem Thema gemacht. Nicht in gewohnt würdiger bis ritualisierter Gedenkweise, die ihren eigenen Wert hat, sondern jonglierend auf Messers Schneide im Minenfeld zwischen voyeuristischer Lust und purem Entsetzen.

FLUXUS Substanziell sind solche Arbeiten Spiegel – Bilder der eigenen Erfahrungen des 1924 in Leningrad geborenen, in Riga aufgewachsenen Boris Lurie. Politisch ist sein Werk, das weit über die Schoa hinaus bis ins Amerika des Vietnam-Krieges, der Kuba-Krise, des Kalten Krieges reicht, ein Angriff auf den »guten Geschmack«, Attacke auf die abgekarteten Spielregeln in Politik, Kunst und Gesellschaft. Das ist und blieb auch das Programm der von Lurie mitbegründeten und wesentlich bestimmten NO!art-Bewegung. Er war sozusagen deren Andy Warhol.
Künstlerisch-ästhetisch steht Lurie, der nach 1950 die Collage für sich entdeckt, der ruppigen Fluxus-Kunst nahe. Vor allem Wolf Vostell, dem politischsten Vertreter von Fluxus; die beiden verband eine lebenslange künstlerische Beziehung, deren Grundlage beider Auseinandersetzung mit der Schoa blieb. Wie eng diese »jüdische« Wahlverwandtschaft war, wird sich im Juli zeigen, wenn ich im spanischen Malpartida de Cáceres meine Filme über Boris Lurie und Vostell einander gegenüberstelle.
Im dortigen Museo Vostell in der spanischen Estremadura, in Zusammenarbeit mit der New Yorker Boris Lurie Art Foundation, die erste europäische Ausstellung nach dem Tod des NO!art-Künstlers im Jahr 2008 zu platzieren, war eine kluge Entscheidung. Umgeben von der Kunst seines Freundes Vostell und anderer Fluxus-Größen, ist das Museum eine gute Ausgangsbasis, die vielfältige Kunst des Künstlers wieder stärker in den Fokus des aktuellen Kunstdiskurses zu rücken.

MIX-MEDIA Auch Lurie-Kenner werden bislang nur selten Gezeigtes entdecken. Wie die »Three Women«-Gemälde von 1955, welche an die Unheil verkündenden Geistergestalten der »Schwarzen Serie« von Goya erinnern. Aber auch viele bislang weniger bekannte Bildtafeln und Objekte, beispielsweise »wild« bemalte Koffer als Symbole realer Vertreibung und Heimatlosigkeit, beweisen Boris Luries Qualität als Mix-Media-Künstler.
Vor allem seine Collagen sind grausame Meisterwerke einer Erinnerungskunst, die nicht jammert, nicht geschwätzig ist, sich nicht zurückzieht in sichere ästhetische Gefilde. Lurie greift an: die Verschweiger ebenso wie die Täter und Mitläufer und jene, die angeblich von allem nicht gewusst hatten.
Natürlich ist es bedauerlich, dass einige wichtige, großformatige Öl- und Collage-Bilder, vermutlich auch aus konservatorischen Gründen, in der verdienstvollen Ausstellung fehlen. Aber das Museo Vostell zeigt immerhin eine Inkunabel der Lurie-Kunst: »Railroad Collage«, 35x 57 Zentimeter groß. Eines jener Werke, das auch immer wieder den Überlebenden und deren Nachkommen zu schaffen machte. Eine sich den Slip über den ansehnlichen Po abstreifende Pin-up-Lady. Diese klebte Lurie auf das Foto eines Waggons mit Leichenteilen, sodass das Pin-up-Girl ihren Vorderkörper den Umgekommenen feilbietet.
Der Vorwurf, Boris Lurie, dessen Mutter und Schwester von den Nazis umgebracht wurden, verunglimpfe die im KZ Ermordeten, ist ebenso verständlich wie falsch. Und seine Arbeit als frauenfeindliches Machwerk zu diffamieren, ist auch dann noch zu simpel, wenn wir dem Mann Lurie in Kunst und Leben nicht nur die edelsten Motive unterstellen.

ZWIESPÄLTIG Zweifellos, Luries Kunst wohnt jene Zwiespältigkeit inne, die sie mit der Kunst anderer Künstler teilt, deren Werke um Sexualität und Gewalt kreisen. Es sei nur an Hieronymus Boschs »Garten der Lüste« gedacht, der sich als Sündenpfuhl ebenso deuten lässt wie als künftiges Paradies. Boris Lurie war sich der zwiespältigen Wirkung seiner Kunst bewusst. In meinem Film sagt er dazu sinngemäß, er hätte lieber impressionistisch gemalt, was er ganz gut konnte. Aber es wäre da immer der Zwang gewesen, sich mit der Vergangenheit, mit den gesellschaftlichen Ereignissen auseinanderzusetzen. Eben mit den unangenehmen, mit den »harten Sachen«, doch dies habe ihm kein persönliches Glück gebracht.
Indes, die »Railroad Collage«, ja das Gesamtwerk Luries lässt sich auch als Sinnbild des triumphierenden Lebens über alle Massen- und Völkermorde der Geschichte lesen. Also als der durchaus janusköpfige Sieg der Liebe und der Triebe.
Wie auch immer. Was Lurie nicht gelang, schafften seine Bilder: Im Jahr seines 90. Geburtstages sind sie temporär nach Europa zurückgekehrt. Und bald auch zu ihrem Ausganspunkt Deutschland. In veränderter Form wird die zweite Station der Ausstellung das NS-Dokumentationszentrum Köln sein. Eine respektable Adresse, deren Publikum über den Kreis der Kunstinteressierten hinausreichen wird. Kunst jedoch, und das nicht nur hierzulade, die über den Anlass ihres Entstehens hinaus nachhaltig wirken will, braucht einen Platz im Kunstmuseum. Alles andere ist alles andere ... Das gilt für Picassos Kunst ebenso wie für die von Boris Lurie.

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ABOUT THE MUSEUM

Das Museo Vostell Malpartida im spanischen Ort Malpartida de Cáceres westlich der Provinzhauptstadt Cáceres ist dem Werk des deutschen Malers, Bildhauers, Fluxus - und Happeningkünstlers Wolf Vostell gewidmet. Wolf Vostell reiste 1974 nach Malpartida (im Südwesten von Spanien) und gründete im Jahr 1976 in einer Wollwäscherei (Lavadero de Lanas) aus dem 18. Jahrhundert das Museo Vostell Malpartida (MVM). 1994 übernahm die Landesregierung (Junta de Extremadura) die komplette Renovierung der Gebäude. Im Jahr 2005 erwarb die Junta de Extremadura das Vostell Archiv. Das Archiv wurde fester Bestandteil des Museo Vostell Malpartida und dient Kunsthistorikern und Journalisten als Informationsquelle. Das Museum zeigt in seinen Räumen und auf dem Gelände eine umfangreiche Sammlung von Werken des 1998 verstorbenen Künstlers. Darüber hinaus werden Werke anderer Fluxuskünstler gezeigt, unter anderem von Milan Knížák, Nam June Paik, George Maciunas, Yoko Ono, Allan Kaprow, Antonio Saura und Daniel Spoerri. Ebenso beherbergt das Museum die Sammlung von Gino di Maggio (der gezielt die Kunst des Fluxus sammelte). Hervorzuheben ist die Installation Das Ende Parzivals von Salvador Dalí. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Museo_Vostell_Malpartida

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ABOUT THE CURATOR:

RAFAEL VOSTELL | Review by Brigitte Kramer, in: mallorcazeitung.es | 28.02.2013 : Die Bürde des berühmten Vaters trägt Rafael Vostell mit Würde. Mehr noch: Der Sohn des großen Künstlers Wolf Vostell (1932-1998) hat das Beste aus seinem Schicksal gemacht. „Meine Schule war mein Elternhaus", sagt der 47-jährige Kunsthändler, der mit Großformatigem im Kinderzimmer aufgewachsen ist. Kunst hing überall, sogar im Klo, und wenn die Familie Geld brauchte, war ein Werk, „an das ich mich gerade gewöhnt hatte", plötzlich weg, erzählt er.
So kam es, dass ­Rafael, der jüngere der beide Söhne des deutsch-spanischen Ehe­paares Wolf Vostell und Mercedes Guardado heute nicht nur den Nachlass des Vaters verwaltet, sondern auch seit mehr als 20 Jahren mit Avantgardekunst der 60er Jahre handelt, von Joseph Beuys, Nam June Paik oder Yoko Ono. Seine Galerien in Berlin und Madrid hat er vor ein paar Jahren geschlossen, nun ist er als freier Kurator und Händler unterwegs. Kommende Woche wird zum Beispiel die Ausstellung „Walking on faces" des Mallorquiners Bernardí Roig in Berlin eröffnet, zeitgleich zur Tourismusbörse ITB. Vostell hat sie kuratiert und im Ausstellungsort Halle am Wasser arrangiert. Der Auftrag der Balearischen Landesregierung war der erste, den Vostell in seiner neuen Heimat Mallorca erhalten hat.
Er erzählt das in leisem Tonfall, in einem Palmesaner Café. Rafael Vostell ist ein gepflegter, wacher Mann, der sich flüssig mit leichtem Berliner Akzent ausdrückt. Dabei sieht er aus wie ein Südspanier – eine interessante Mischung. Vostells Lebensweg führt nun nach Mallorca. Die schönste Ecke Spaniens sei die Insel, sagt Vostell lächelnd, und das muss man ihm glauben. Schließlich ist er schon als Kind zwischen Deutschland und Spanien gependelt, hat hier und dort Familie. Eine Finca bei Artà ist seit ein paar Wochen der neue Wohnsitz von Vostell und seiner Lebenspartnerin, der Fotografin Miriam Peppler. Strahlend erzählen die beiden von ihrem neuen Lebensabschnitt, voll Freude schildern sie Entdeckungen und Erfahrungen auf der Insel.
Sie sind gekommen, um zu bleiben. Vostell möchte Ausstellungen kuratieren, Werke seiner Sammlung zeigen, vor allem die Arbeiten des Vaters. 200 bis 300 Werke des radikalen, antibürgerlichen Konzeptkünstlers warten in verschiedenen Lagern in Deutschland und Spanien darauf, gezeigt zu werden: Environments, Skulpturen, Installationen, viele davon sperrig, großformatig und unbequem, in Beton eingegossene Autos, übereinander gestapelte Fernseher, 40 aufgereihte Staubsauger, Computerhaufen. Auch große Leinwände mit blutenden Stieren, Collagen und Assemblagen hat Wolf Vostell hinterlassen oder so freche Objekte wie den „Automatischen Telefonbeantworter". Das Werk: eine Nummer
auf einem Blatt Papier. Die Idee: Wer sie zwischen dem 1. und 31. Oktober 1969 wählte, konnte täglich andere Ideen von Vostell am Telefon hören. All das zu erhalten, ist eine Herausforderung für die Erben.
Zum Glück gibt es einen Vostell-Hort. Das Zentrum des Künstler-Universums liegt in Malpartida, einem Nest bei Cáceres in der Extremadura. Dort ist ein Museum, dort leben die Witwe und David Vostell, Rafaels älterer Bruder. Das museo war ein Geschenk des Bürger­meisters, Mitte der 70er Jahre. Heute gilt es als eines der ersten spanischen Museen für zeitgenössische Kunst. Es birgt nicht nur das Archiv der Familie sondern auch die große Fluxus-Sammlung von Gino di Maggio sowie Werke von Künstlern wie Antonio Saura oder Daniel Spoerri. Es liegt in einem Landschaftsschutzgebiet und ist in einem renovierten Wasch- und Scherhaus für Schafe untergebracht, die dort auf ihrem Wanderweg von Süd- nach Nordspanien zweimal im Jahr versorgt wurden.
„Der Ort hat eine tolle Energie", sagt Rafael. Seine Mutter stammt aus der Extremadura. Sie lernte Vostell 1958 in dem Pilgerort Guadalupe kennen. Dorthin war der junge Künstler von Köln aus gereist, um Francisco de Zurbaráns Mönchs­porträts zu bewundern. Die einheimische Lehrerin, klein und dunkel, und der Künstler vom Rhein, hell und groß, verliebten sich. „Der Rest ist Geschichte", sagt Rafael lachend.
Der Familiengeschichte fügt Rafael Vostell nun ein Kapitel hinzu. Der neue Standort Mallorca ist nicht nur der schönste Fleck Spaniens, sondern ist auch weit weg von Malpartida. Dort zu leben, das wäre für Vostell junior unvorstellbar. Der nächste internationale Flughafen liege drei Autostunden entfernt, sagt er. Vielleicht ist dort der Vater auch zu präsent. Auf der Insel gibt es nur eine sichtbare Referenz an ihn: Die Bronzeskulptur „Nike" an der Kreuzung Paseo Mallorca, Avinguda Jaume III. Vostells damaliger Galerist Joan Guaita hatte sie nach dessen Tod dem Rathaus verkauft. „Sie ist unverwüstlich, nur der Baum müsste mal gestutzt werden", sagt Rafael Vostell nach dem Fototermin mit der MZ. Aber das ist ja zum Glück nicht seine Aufgabe.

Source: http://www.mallorcazeitung.es/kultur/2013/02/28/wolf-vostells-sohn-gekommen-um-bleiben/26713.html

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